Chapter

Zweites Buch

Der Menschensohn, der schicksallos sich glaubt, Ihn blickt der Genius der Menschheit schon Mitleid'gen Auges an, und sieht die Stunde Beflügelt nahn, die sein Geschick erfüllt. Hamerling, Ahasver in Rom. Anna konnte die Beobachtung der Gestalten, welche ihr in den beiden ersten Tagen ihres Aufenthalts auf Haus Edern entgegengetreten, in den nächsten Tagen ziemlich ungestört fortsetzen. Die Hausgenossen kümmerten sich wenig um sie; ihre meisten Stunden waren dem Unterrichte von Comtesse Bertha gewidmet, die sich ziemlich kalt und fremd gegen sie hielt, obwol Anna es an Bemühen, sich Bertha näher zu stellen, nicht fehlen ließ. Das junge Mädchen war nicht ohne Talent, sie begriff und behielt leicht und Anna fand deshalb ein Vergnügen darin, sie zu unterrichten. Aber sie sah zuweilen Bertha's Augen mit einem Blicke auf sich ruhen, der sie erschreckte. Es war etwas Forschendes, Lauerndes in diesem Blicke. Auch geschah es nicht selten, daß Bertha, die eine Erklärung, eine Auseinandersetzung Anna's in der Unterrichtsstunde aufmerksam hingenommen hatte, später plötzlich mit Fragen und Einwürfen kam, die offenbar darauf berechnet waren, Anna aufs Glatteis zu führen und ihre Rechtgläubigkeit zu prüfen. Es war, als ob Bertha ihrer Mutter berichtete und von dieser sich solche Einwürfe eingeben ließ. Bertha schien eine wahre kleine Ketzerriecherin. Und dabei hatte Anna gegen den Fürwitz zu

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