Schlom Weißbart
Ein Bild aus Litthauen. Vom Verfasser der schwarzen Mare. Im Jahre 184– traf ich in Litthauen einen Landsmann und Bekannten wieder, der vor länger als zwölf Jahren dahin versetzt war, und von dem ich seit jener Zeit nichts wieder vernommen hatte. Ich war begierig, von ihm über sein Leben in dem fremden Land selbst und dessen Bewohner Auskunft zu erhalten. Ich werde Dir – sagte er – ein Abenteuer erzählen, das ich nicht lange nach meiner Ankunft in dieser Provinz zu bestehen hatte, und das vielleicht mehr als lange, ausführliche Beschreibungen im Stande sein wird, Dich dessen Menschen und Zustand kennen zu lehren. Er erzählte mir Folgendes: Ich wurde im Jahre 183– als Kreisjustizrath nach Ragnit versetzt. Ich war damals Assessor bei dem Oberlandesgerichte in A., und bisher blos in meiner Heimath, der Provinz Westphalen, angestellt gewesen. Als ich mit den Meinigen in Ragnit ankam, fanden wir ein freundliches Städtchen, hübsch gelegen in einer fruchtbaren Gegend, an einem hohen Ufer des schönen, breiten Memelstroms, der nicht weit unterhalb der Stadt eine große Krümmung machte, so daß man seinen Lauf mitten durch üppige Wiesen und Weiden beinahe eine halbe Meile weit deutlich verfolgen konnte, bis nach dem alten, kahlen Rambinus hin, dem alten Berge des Gottes Perkunos, an dessen Fuße er wieder eine andere Richtung nahm, nach der litthauischen Hauptstadt Tilsit zu, anderthalb