Allerlei
So lange wir leben, schreibt man uns unsere Sünden mit doppelter Kreide an; ja man macht nicht nur unsere Schwächen, sondern auch unsere Tugenden zu Lastern. Sind wir klug, nennt man uns verschmitzt; sind wir ehrlich, nennt man uns dumm; sind wir tapfer, nennt man uns hochmüthig, und sind wir fest, nennt man uns hart. An dem Golde unserer guten Eigenschaften bemerkt man während unseres Lebens nur die Schlacke; sobald uns aber der Tod die Augen zudrückt, drücken auch die Menschen gegen unsere Gebrechen die Augen zu, und die Hand der Verleumdung, die unsern Namen früher besudelt, schwingt jetzt das Weihrauchfaß, um uns in guten Geruch zu bringen. Es ist kein lebender Biedermann auf Erden, dem man nicht etwas Spitzbübisches nachsagte und es ist noch kein Spitzbube in's Jenseits gewandelt, ohne daß man ihm irgend eine biedere That nachgerühmt 4 hätte. So vergißt man unsere Schattenseiten, wenn wir die Reise in's Schattenreich antreten, so wird gewöhnlich die Todespforte zu unserer Ehrenpforte. Wir wollen aber dem Verblichenen hier keine Lobrede halten; wir wollen ihm nur das nachsagen, was er im Leben nie gesagt – die Wahrheit nämlich. Da liegt er, er, der einst ein Höfling war. Unter seinen vielen Tugenden zeichnete ihn auch die aus, daß er das, was er war, auch ganz war. Jeder Zoll an ihm war ein Höfling. Beginnen mir mit seinen körperlichen Eigenschaften! Giftige Verleumder