Schlafwandler
Drei weiße Schiffe kamen von Süden her übers Meer gefahren. Am Horizont wehten ihre Rauchfahnen in eine einzige zusammen. Als die kleine, langgestreckte Insel in Sicht kam, trennten sich ihre Wege. Das erste schwamm eilig den Sund hinauf die Küste des Festlands entlang. Das zweite bog westwärts ab, hinaus in die freie See. Das mittlere glitt in bedächtiger Fahrt auf den Landungssteg der Insel zu, um dort kurz zu verweilen und dann im abendlichen Meer, mit Laternen am Mast und der Back, unterzutauchen, für Sekunden noch von dem fliegenden Strahl des fernen Leuchtturms entdeckt und bestrichen. Auf dem Verdeck des kleinen Dampfers, der mit Fässern, Holz und Häuten fuhr, gingen ein paar Reisende auf und ab. Es war schon spät im Jahr, und das Reisen hatte fast schon aufgehört. Für manche aber hört es nie auf. Diese halten auf ihren Fahrten die Augen so gierig offen, als müßten sie sie nach kurzer Frist zum letztenmal schließen und sich daher rasch noch mit allem anfüllen, was es auf der Welt zu sehen gibt. Es gibt so vieles zu sehen auf der Welt, und alles ist neu und sonderbar. Jeden Augenblick aufs neue neu und sonderbar. Man kann von den alltäglichsten Dingen nicht genug in sich aufnehmen. Was aber die Reisenden auf dem Verdeck zu sehen bekamen, war gewiß nichts Alltägliches. Die kleine Insel kam in Sicht, im glasklaren Herbstlicht lag sie da, wie ein schmächtiger grüner Strich,