Schillers Flucht
Wir kennen die Schilderung, welche Andreas Streicher, der Musiker, von Schiller entworfen hat, als er den Jüngling, dessen Name ihm unbekannt war, bei den Disputationen der akademischen Schlußprüfungen zum ersten Mal gewahrte. Mit einem tiefen Eindruck von seiner Persönlichkeit war er hinweggegangen. Als nun im Frühjahr 1781 »Die Räuber« im Druck erschienen waren, bat Streicher einen musikalischen, in der Militärakademie erzogenen Freund, ihn mit dem Verfasser bekannt zu machen. Wie überrascht aber war er, in dem Dichter jenen Jüngling, dessen Bild sich ihm so lebendig eingeprägt hatte, wiederzufinden! Und wie angenehm berührt fand er sich von Schillers seelenvoller Milde, da er doch erwartete, im Schöpfer der »Räuber« einem heftigen jungen Manne zu begegnen, dessen Gedankenfülle und feurige Empfindung »alle Augenblicke in Ungebundenheit ausschweifen müsse«! Des Besuchers schmeichelhafte Anrede wurde von Schiller »nur ablehnend, mit der einnehmendsten Bescheidenheit erwiedert. Im Gespräche nicht ein Wort, welches das zarteste Gefühl hätte beleidigen können. Die Ansichten über alles, besonders aber Musik und Dichtkunst betreffend, ganz neu, ungewöhnlich, überzeugend, und doch im höchsten Grade natürlich. Die Äußerungen über die Werke Anderer sehr treffend, aber dennoch voll Schwung, und nie ohne Beweise. Den Jahren nach Jüngling, dem Geiste nach reifer Mann, mußte man seinem