Chapter

Magdalena mit der Balsambüchse

Das Bauernhaus leuchtete schneeweiß. Und die Holzbalken im weißen Grunde waren hellgrün gestrichen, so daß sie sich noch heiter abhoben, wenn die alten Linden über dem Hausgiebel im Sommerlicht rauschten. So war es auch in der Zeit, als die alte Mutter Luba im Bauernhause im Sterben lag. Die alte Mutter Luba war zwar jetzt eine völlig verarmte Dorffrau. Denn ihr Sohn und dessen ganze Familie, an sich auch nur kümmerliche Leute, waren vor Jahren bei einer Typhusepidemie alle unerwartet hingestorben. Bis auf einen Enkel, der damals eben erst geboren war. Aber die Mutter Luba war allezeit ein drolliger, sanfter Engel gewesen. Und die Bäuerin hatte es bei ihrem Manne durchgesetzt, daß die alte Marcella, wie man im Dorfe die Mutter Luba auch nannte, mit diesem Enkel in dem hellerlichten Bauernhause doch ihren Wohnwinkel gefunden. Und wie die alte Luba im Sterben lag, war es in ihrem winzigen Stübel trotz der Armut sehr feierlich. Nicht bloß, weil bei ihr immer alles blitzeblank gescheuert war. Die kleine, schmale Holzbank vor dem Ofenrohr sah wirklich aus wie aus frischem Holze. Und der rohe, schmale Tisch, der für Großmutter und Enkel gerade genug Raum bot, lag nicht wie in der großen Bauernstube voll Brotkrümel und Kartoffelschalen. Die Sonne überspielte einen mit roten Rosen bemalten Teller und vergoldete die gewaschene Tischplatte. Aber vor allem hing von der geweißten Decke ein

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