Erstes Kapitel. Ein schwieriger Fall.
Seit etwa einem Jahre war ich Teilhaber in der Anwaltsfirma Veeley, Carr und Raymond, als eines Morgens in Abwesenheit der Herren Veeley und Carr ein junger Mann in unser Bureau trat, dessen ganzes Aeußere eine solche Hast und Aufregung verriet, daß ich mich unwillkürlich erhob und ihm einige Schritte entgegenging. »Was bringen Sie mir?« fragte ich, »hoffentlich nichts Schlimmes.« »Ich möchte zu Herrn Veeley; kann ich ihn sprechen?« »Nein,« antwortete ich, »er ist heute vormittag ganz unerwartet nach Washington gerufen worden und kann vor morgen nicht zurück sein. Wenn Sie mir aber Ihr Anliegen Mitteilen wollen –« »Ihnen?« entgegnete er und maß mich mit kaltem, festem Blick; dann fuhr er, wie von seiner Musterung befriedigt, fort: »Ich sehe keinen Grund, warum ich es nicht thun sollte; ist doch der Zweck meines Hierseins kein Geheimnis. Ich komme, Sie zu benachrichtigen, daß Herr Leavenworth tot ist.« »Herr Leavenworth?!« rief ich aus und trat einen Schritt zurück. Herr Leavenworth war ein alter Klient unserer Firma und außerdem ein vertrauter Freund Veeleys. »Jawohl, und zwar ermordet; von einer unbekannten Person, durch den Kopf geschossen, während er am Schreibtisch saß.« »Ermordet? – Erschossen?« wiederholte ich und vermochte das Ungeheure kaum zu fassen. Der joviale, herzensgute, alte Herr, der noch vor acht Tagen hier im Bureau gewesen war, mich gehänselt hatte, daß ich