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Chapter

Zwischen Licht Und Dunkel

Der Angriff kam bei Sonnenaufgang, als die Schatten am schwächsten waren. Kaspar wurde aus dem Schlaf gerissen durch ein Geräusch, das er nie zuvor gehört hatte — das Schreien eines Schattens, der zerrissen wurde. Er rannte durch die Gänge des Verstecks und sah, wie Lichtkegel durch die Dunkelheit schnitten, grell und erbarmungslos, und jeder Schattenläufer, den das Licht traf, verlor seinen Schatten und damit seine Gabe. Vera kämpfte. Sie hatte ihren Schatten um sich gelegt wie eine Rüstung, und er absorbierte das Licht, verschluckte es, gab es als Dunkelheit zurück. Aber sie war allein gegen ein Dutzend Jäger, und selbst ihre Kraft hatte Grenzen. Kaspar wusste nicht, was er tun sollte. Seine Gabe war neu und ungeschliffen, ein Werkzeug, das er kaum zu halten vermochte. Dann tat er etwas, das er nicht hätte tun können sollen. Er trat nicht in seinen Schatten, sondern in den Schatten der ganzen Stadt. Für einen endlosen Moment war er Dresden — jede Gasse, jede Brücke, jeder Winkel, in dem Dunkelheit lag. Er spürte die Jäger wie Fremdkörper in einem Organismus und drängte sie hinaus, sanft aber unaufhaltsam, wie ein Körper, der eine Krankheit abstößt. Als er zurückkehrte, lag er auf dem Boden des Verstecks, und Vera kniete neben ihm. Die Jäger waren fort. Kaspars Schatten lag neben ihm und hielt seine Hand, und zum ersten Mal schien er zu lächeln.

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