Chapter

Der Erste Schritt

Kaspar bemerkte es zum ersten Mal an einem Dienstagmorgen im November, als sein Schatten sich weigerte, ihm zu folgen. Er stand in der Küche, die Kaffeekanne in der Hand, und sah, wie sein Schatten an der Wand stehen blieb, während er zum Tisch ging. Es dauerte nur einen Moment, vielleicht zwei Herzschläge, dann glitt der Schatten nach und legte sich brav zu seinen Füßen, als wäre nichts geschehen. Er wäre bereit gewesen, es als optische Täuschung abzutun, als Spiel des Morgenlichts durch die schmutzigen Fensterscheiben seiner Altbauwohnung in Dresden. Aber am Mittwoch passierte es wieder, und am Donnerstag konnte er seinen Schatten bewegen, ohne sich selbst zu bewegen. Er saß auf dem Sofa, und sein Schatten stand auf und ging durch das Zimmer, tastete mit schattenhaften Fingern über die Bücher im Regal, als suchte er etwas. Am Freitag klopfte es an der Tür. Eine Frau stand davor, groß und schmal, in einen Mantel gehüllt, der so dunkel war, dass er das Licht um sich herum zu biegen schien. Sie hatte keinen Schatten. Sie sah Kaspar an und sagte: Du musst mitkommen. Sie haben dich bereits gefunden.

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