Das Erbe Von Aldrath
Thea setzte sich auf den Thron, und die Welt zerbrach. Nicht buchstäblich — die Mauern standen noch, der Boden hielt — aber in ihrem Kopf zersprangen Grenzen wie Glas. Sie sah alles auf einmal: die Vergangenheit von Aldrath, ausgebreitet vor ihr wie ein Teppich aus Zeit. Sie sah die Erbauer, hochgewachsene Wesen mit Augen wie flüssiges Silber, die den Stein mit bloßen Händen formten. Sie sah ihren Aufstieg, ihre Macht, die Wunder, die sie schufen — und sie sah ihren Fall.
Es war nicht Krieg gewesen, der Aldrath zerstört hatte, und nicht Krankheit oder Naturkatastrophe. Es war Erkenntnis. Die Erbauer hatten zu tief geblickt, hatten die Struktur der Wirklichkeit selbst studiert und dabei etwas gefunden, das nicht gefunden werden wollte. Etwas, das im Schatten der Materie lebte, zwischen den Augenblicken, in den Lücken der Zeit. Und als sie es sahen, sah es sie zurück.
Thea riss sich vom Thron los, aber es war zu spät. Die Bilder waren in sie eingebrannt, und mit ihnen kam das Wissen, das die Erbauer vernichtet hatte — nicht die Erkenntnis selbst, sondern die Gewissheit, dass das, was im Schatten lebte, nun auch sie bemerkt hatte. Als sie aus dem Schacht kletterte, blendete sie das Tageslicht, und die Welt sah anders aus, dünner irgendwie, als könnte man durch sie hindurchsehen wie durch nasses Papier. An den Rändern ihres Blickfelds bewegte sich etwas, das sie nicht anschauen