Die Stadt Unter Der Erde
Hinter dem Tor lag eine Stadt. Nicht die Trümmer einer Stadt, nicht die Überreste oder das Skelett, sondern eine vollständige, unversehrte Stadt, eingeschlossen in einer Kaverne so groß, dass Theas Taschenlampe ihre Decke nicht erreichte. Die Gebäude waren aus demselben schwarzen Stein wie das Tor, ihre Formen fremd und fließend, als wären sie nicht gebaut, sondern gewachsen — organische Türme, die sich wie Finger zur unsichtbaren Decke reckten, Brücken, die in unmöglichen Bögen über leere Abgründe gespannt waren.
Es gab kein Licht, und doch konnte Thea sehen. Die Luft selbst schien zu leuchten, ein phosphoreszierendes Glimmen, das von den Wänden ausging und dem Ort eine traumhafte, unwirkliche Qualität verlieh. Sie ging durch Straßen, die seit Äonen niemand betreten hatte, vorbei an Brunnen, in denen eine silbrige Flüssigkeit stand, die nicht Wasser war, vorbei an Statuen, deren Gesichter von einer so fremden Schönheit waren, dass der Anblick beinahe wehtat.
In der Mitte der Stadt fand sie den Thron. Er stand auf einem erhöhten Platz, umgeben von einem Ring aus zerbrochenen Säulen, und er war der einzige Gegenstand in der ganzen Stadt, der Spuren von Zerstörung trug. Tiefe Risse durchzogen den Stein, als hätte eine ungeheure Kraft versucht, ihn zu spalten. Auf der Lehne, eingeritzt in Zeichen, die Thea nun langsam zu entziffern begann, stand eine Warnung — oder ein