Chapter

Das Versiegelte Tor

Die Ausgrabung dauerte bereits den dritten Monat, und Thea hatte längst aufgehört, an einen Durchbruch zu glauben. Die Ruinen von Aldrath — so nannten die Einheimischen diesen Ort, obwohl der Name in keinem Geschichtsbuch verzeichnet war — lagen verstreut über eine Hochebene, die so karg war, dass selbst die Ziegen der Hirten sie mieden. Steine, Scherben, gelegentlich ein verwittertes Relief, das Gestalten zeigte, die keine Ähnlichkeit mit irgendeiner bekannten Kultur aufwiesen. Bis heute. Der Arbeiter, der den Schacht gegraben hatte, stand bleich am Rand und deutete nach unten. Thea stieg hinab und fand, was keine Ausgrabung hätte zutage fördern sollen: ein Tor aus schwarzem Stein, glatt wie Glas, ohne sichtbare Fugen oder Scharniere, eingelassen in den nackten Fels wie ein Auge, das in die Erde starrte. Auf seiner Oberfläche pulsierten Zeichen in einem schwachen Violett, einem Rhythmus folgend, der an einen Herzschlag erinnerte. Theas Finger berührten die Oberfläche, und die Zeichen erloschen. Einen Moment lang herrschte absolute Stille — keine Vögel, kein Wind, nicht einmal das Knirschen des Kieses unter ihren Stiefeln. Dann glitt das Tor lautlos auf, und hinter ihm lag eine Dunkelheit, die nicht die Abwesenheit von Licht war, sondern etwas Eigenes, etwas Lebendiges, das nach außen drängte wie Wasser hinter einem Damm.

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