Kapitel 1
Die Hallumer Höhen zeichnen sich am Horizont in so wunderbar schönen und schlichten Linien ab, als habe Gottes Finger diese Linien am Morgen aller Morgen selbst gezogen. Vor Kraft strotzend, wie der Rücken eines Riesentieres, dessen Füße tief in der Erde wurzeln, liegen sie da. Deshalb zieht diese Höhenlinie auch allemal den Blick auf sich, sei es, daß man den Weg benutzt, der dicht daran vorbei führt, oder daß man sie nur in der Ferne, sich leicht und zart von den Wolken abhebend, schimmern sieht. Bei trübem Wetter stehen die Hügel schwermütig da, als grübelten sie über ihre eigenen Schatten. Der Weg hastet verstohlen an ihnen vorbei dem offenen, sonnigen, flachen Lande zu. Bei milder Beleuchtung jedoch fesseln diese weiten heidebewachsenen Erdhügel durch ihren Liebreiz; namentlich bei sinkender Sonne liegt es wie ein ewiger Friede auf diesen unberührten Höhen. Nur hie und da sieht man einen Fußsteig oder einen Hohlweg. Die wenigen Menschen, die hier wohnen, sind kleine Leute, die ein billiges Fleckchen Erde gefunden haben, wo sie untergekrochen sind. Und diese Leute gehen hin und her auf den Fußsteigen mit den schweren Schritten der Armen; still und schweigsam bewegen sie sich in der großen Einsamkeit. Eines Tages, es ist der erste November, kommt ein junges Mädchen durch die Talsenkung gegangen, die das Langetal heißt; gerade jetzt kommt sie hinter einem vorspringenden