I
»... also Du kommst. Seeluft, Seeluft, mein Junge! Lasse alle schweren Gedanken beiseite. Und wo ich Dich hinführe...? – Es ist ein ganz verlorener Winkel an der flandrischen Küste. Sei ohne Sorge. Du kommst nicht mit jenem feinen Pöbel zusammen, der die belgische Erde heimsucht, Fleischergesellen, die nach Peau d'Espagne duften. Alles sind stille und einfache Menschen... und die Natur ist so ruhig wie ein Heideland, wenn der Tod darüber reitet. Nur in stürmischen Herbsttagen sieht das Meer über die Dünen, und dann hörst Du es rauschen. Der Ort liegt eine gute Stunde vom Strande entfernt: ein Fleckchen Erde mit Ziegeldächern. Pappeln kreisen es ein. Stockrosen sehen in die Giebelfenster mit großen Augen – und in der Mitte des Ortes, der gewissermaßen am Boden hinkriecht, reckt sich der helmlose Turm von Sankt Anne wie ein massiger Einarm. Der Ort selbst heißt Sankt Anne und atmet Ruhe und Frieden. Lege Dir diesen Frieden und diese Ruhe ans Herz – und die tote Maria wird ihre Seele in die Hände nehmen und sagen: Endlich gesundet. – Also komme. Ich erwarte Dich und hole Dich im verwunschenen Brügge ab. Dein Heinrich vom Hövel, der kein Freund ist von langen Fisematenten und Ausflüchten – und daher heißt es auch bei Dir: Farbe bekennen.« Der Brief sank ihm aus der Hand und legte sich über das saubere Manuskript eines größeren Werkes, das er erst vor kurzem beendigt hatte. Und dann