San Salvatore
Im Sommer des Jahres 1462 war Papst Pius II. mit seinem Hofstaat von Rom weggezogen, um wieder ganz in der Natur zu leben, die ihn in seinem Alter allein noch für die vielen schlimmen Erfahrungen mit Menschen entschädigte. Seit acht Tagen hielt er sich in dem verwahrlosten, von den Langobarden erbauten Benediktinerkloster San Salvatore auf, am Ostabhang des Monte Amiata, dessen waldiger Gipfel weithin das senesische Hügelland beherrscht. Von der Terrasse aus, von welcher der Blick über das Tal und ferne Höhenzüge hinweg sich im Himmel verliert, mochte er im Raume das irdische Treiben ähnlich unter sich liegen sehen, wie in der Zeit sein eigenes Leben: als Aeneas Sylvius Piccolomini hatte er alle Lorbeeren eines berühmten Humanisten geerntet, bis er zuletzt den ganzen Gewinn gegen die dreifache Krone eintauschte und auch innerlich ein anderer wurde. Aber solche Stunden der Beschaulichkeit waren selten; nicht um der Arbeit zu entfliehen, sondern um sich ihr ungestört hingeben zu können, hatte er sich in die. Einsamkeit des Gebirges hinaufgeflüchtet: an schönen Tagen weilte er von Morgen bis Abend unter den Kastanienbäumen, empfing Boten und Bittflehende und erledigte in ununterbrochener Reihenfolge geistliche und weltliche Geschäfte. Erst seit vier Jahren saß Pius auf dem Heiligen Stuhl; doch seine Gebrechlichkeit, die größer war als sein Alter, ließ ihn die letzten Kräfte