Chapter

Sakuntala

Vielleicht war es der eigenthümlich silberne Ton des durch herabgelassene Vorhänge gedämpften Sonnenlichts, welcher einen so wohlthuenden, gleichsam verklärenden Schimmer über das kleine Gemach mit seiner einfachen, theilweise fast dürftigen Einrichtung breitete. Das war alter, unmodischer Hausrath von der Großväter Zeiten, verblichene Ueberzüge und niedergesessene Polster, – eine Ausstattung, wie man sie in der Hauptstadt des Deutschen Reichs selbst in den ärmeren Familien des Mittelstandes nur noch vereinzelt anzutreffen pflegt. Aber so verschiedenartigem Geschmack auch alle diese Dinge ihre Entstehung verdankt haben mochten, hier stimmte doch jedes von ihnen aufs beste zu seiner Umgebung, und namentlich in dieser ungewissen dämmernden Beleuchtung eines Krankenzimmers, welche die Gebrechen und die Hinfälligkeit der alten Möbel zum guten Theil verhüllte, mußte der erste Eindruck, den der Eintretende empfing, unbedingt derjenige eines anheimelnden Behagens sein. Dieser Eindruck wurde nicht einmal gestört durch das abgemagerte Haupt und das wachsbleiche Antlitz des etwa sechsundfünfzigjährigen Mannes, der mit der müden Regungslosigkeit eines Schwerkranken auf den Kissen des nahe zum Fenster gerückten Lagers ruhte. Das Leiden, das die Kraft dieses hageren Körpers verzehrt hatte, war nicht imstande gewesen, die eigenartige Schönheit des fein geformten Kopfes zu beeinträchtigen und

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