Sahra die Tänzerin
»Nein«, rief an einem Sabbathabend der Jude Fleischmann aus und schlug heftig mit seiner Faust auf den Tisch, an welchem er das Abendessen verzehrt hatte; »nein, nimmer werde ich dulden, daß meine Tochter eine Bühne betrete, um mit ihren Pirouetten die Müßiggänger von Berlin zu ergötzen! Tänzerin sollte sie werden! Beim Abraham, meine Tochter eine Tänzerin, während der junge Aron sie zur Gattin verlangt und sie schon morgen die Frau des ersten Pferdehändlers in ganz Mecklenburg werden kann!« »Du hast ganz recht«, nahm seine Frau das Wort; »wenn sie nun aber ihr Glück auf der Bühne machen könnte? Auch als Tänzerin kann man ein ehrbares Leben führen, obgleich die Damen von der Bühne gerade nicht sämtlich in einem vorzüglichen Rufe stehen.« »Schweigen«, sagte Fleischmann, »Du kennst Tänze-rinnen, welche lebendige Bilder von Babylon sind! Lieber wollte ich, wie unser großer Patriarch, gezwungen sein, mit eigener Hand sie zu opfern, als daß ich sie in ein solches Leben eintreten lassen sollte. Die Tochter Fleischmanns sollte vor der Welt tanzen!« »Und dennoch, mein Freund«, fiel ihm die Mutter wieder in die Rede, »hat selbst David vor der Bundeslade getanzt.« »Er tanzte«, antwortete feierlich der alte Jude, »nur das Lob des Herrn zu feiern, und sein Tanz glich in reiner Hinsicht demjenigen, welchen Deine Sahra ausüben würde. Das war ein ernster Tanz, ein ehrwürdiger, abgemessener .