Doka, die Bergjungfrau
(Rumänisch.) In der Nähe von Homor erhebt sich ein gewaltiger Felskamm, welcher Doka genannt wird. Die Zacken und Kuppen des Felskammes sind verwittert, aber in das Aschgrau ihrer Farbe mischt sich das Dunkelgrün der Tannen, welche in den Felsritzen aufgesprosst sind. Wer in diese Höhe emporsteigt, den überkommt das Gefühl des Einsamen und Verlassenen und doch auch wieder des Grossartigen. Besonders bemerkenswert ist aber die Vorderseite des Felsens, denn dieselbe zeigt demjenigen, welcher den schmalen Bergriss betritt, das verwitterte Steinbild einer Frau, in sitzender Stellung. Über ihre Lenden und Füsse fliesst eine Pelzdecke herab, mit dem Rücken lehnt sie an dem Felsen, den Kopf hat sie etwas nach vorn gebeugt und mit einem Tuch umwunden, von welchem die beiden Enden breit auf die linke Achsel herniederfallen. Dies ist Doka, die Jungfrau der Berge, welche jetzt von den Christen Eudokia genannt wird, denn also heisst eine Heilige der christlichen Kirche. Warum die Jungfrau der Berge dort als Stein sich befindet, das berichtet folgende Sage. In alten Zeiten hüteten auch die Töchter von Königen die Herden ihrer Väter. So that auch Doka, deren Vater ein König war. Als der Frühling hereingebrochen war und draussen auf den Matten der Berge bereits Gras und Kräuter sprossten, trieb auch Doka die Herden ihres Vaters hinaus auf die Berge. Das Wetter war mild und freundlich. Doka