Heilige und Legenden
Einige Mädchen von Aichleit waren auf dem Felde und sahen ein Seil spannen vom »Unterkreßbrunn« bis zur »Rast«. Voll Staunen standen sie still und schauten, wer das thue. Bald kamen drei wunderschöne Frauen und hängten blühendweiße Wäsche auf. Da dachten sich die armen Dirnen: »Mein Gott, haben diese Frauen so viele und schöne Wäsche. Davon könntensie uns wohl etwas schenken!« und giengen zu den Frauen und baten um ein Kopftuch. Sie wurdenvon den Salingen freundlich empfangen und ermahnt, fleißig zu spinnen. Thäten sie dies,würde jedes Mädchen ein schönes Tuch bekommen. Allein, während die Frauen mitihnen huldvoll sprachen, wollte eine Dirne ein Stück Wäsche entwenden und blitzschnellwaren »Salinge« und Wäsche verschwunden. (Aichleit.) Falkwand ist der größte Bauernhof in Stuls. Neben ihm ragt eine hohe Felswand empor, über die ein Wasserfall herniederrauscht. An dieser Wand sah man oft von Platt aus blendendweiße Wäschehangen, die den Waldfräulein gehörte. Diese standen mit dem Bauern in Falkwand in gar freundlichemVerkehre. Oft stahl sich der Bauer nachts von seinem Weibe weg und besuchte die Waldweiblein,die ihm allerlei gute Rathschläge für sein Hauswesen gaben und ihm prophezeiten, daß keinFalkwänder Bauer jemals schlecht stehen werde. Als dieses freundliche Verhältniß schonlange gedauert hatte, merkte endlich die Bäuerin, daß ihr Mann sich oft nachts entfernte,und hegte