1925 (Januar-Juli)
Dem Publizisten flicht die Nachwelt noch weniger Kränze als dem Mimen, von dem immerhin Rollenbilder zu den Bürgern späterer Jahrhunderte sprechen. Er muß sich vom Tage tragen lassen, sich in seinem Rhythmus wiegen und das Reittier würgen, wie Freiligraths Wüstenkönig, wenn im Osten neues Frühlicht glänzt. Wehe, wenn er sich in einen Tag verlieben wollte, er wäre schnell hinter tausend anderen zurück. Der Journalist als Kritiker der Zeit schreibt sich nicht ins Buch der Geschichte ein, sondern ins Fell der Gegner. Ihre Narben sind sein Ruhm. In ihre Haut gekritzelt stehen seine persönlichen Urkunden; da ist Mensch und Werk wie vom Papier abzulesen. Der Tag mit seinen wechselnden Erregungen und Programmen vergeht. Degen und Narben bleiben. Sprichst du vom Journalisten, so lautet die Frage nach kurzem nicht mehr: Wofür kämpfte er?, sondern: Was hat er ausgeteilt, wie hat er geschlagen? Wenn Ihnen, lieber Stefan Großmann, all die Präsente zuteil werden, mit denen man Geburtstagskinder nun einmal überschüttet, Torten und Weine und Bücher und Blumen, dann möchte ich in dieser festlichen Runde etwas bescheidener auftreten und Ihnen ganz einfach etwas überreichen, was Ihnen gehört, ja, ein Stück von Ihnen ist: ein Abbild der Klinge, die Sie jetzt fast drei Jahrzehnte führen, die manchen Harnisch zerbeult, manchen Zopf gespießt, manche Nase verkürzt, aber auch manchen wohltätigen