1922 (Teil 1)
297. Sir John steht auf blutgetränktem Schlachtfelde neben dem Leichnam eines tapferen Ritters, entkorkt gemächlich eine Flasche Sekt und monologisiert dazu:»Gut, wenn Percy noch nicht erstochen ist, so will ich diese anstechen... Ich liebe solche grinsende Ehre nicht, wie sie Sir Walter hat. Ich lobe mir das Leben! Kann ich's davonbringen, gut; wo nicht, so kommt die Ehre ungebeten, und damit aus.«Mir rumoren diese Shakespeare-Worte im Kopfe, seit ich jüngst in der»Täglichen Rundschau«eine kleine Apologie des Duells las. Ein bekannter Schauspieler hatte auf einem Vortragsabend Schopenhauer's bissige Philippika gegen den Zweikampf gesprochen. Dazu schrieb der Kritikus:»Rauschender Beifall weniger für die künstlerische Leistung als für Schopenhauer's Polemik gegen das Duell. Nicht eine Würdigung des scharfen Gedankenganges des großen Philosophen, nur lüsterne Freude am Kampfe gegen ein Stück altpreußischer Tradition (worüber sich fein säuberlich streiten ließe!) und im Untergrunde vielleicht ein sattes Behagen, für das gelockerte Ehrgefühl der Zeit diesen so vortrefflichen Deckmantel zu finden.«Ich möchte den Herrn von der»T.;R.«nicht eitel machen, weil ich mir just sein Elaborat vorknöpfe, denn es geschehen wohl tagtäglich gröbere Attentate wider die Vernunft. Es erscheint mir aber symptomatisch für die Unverfrorenheit, mit der man, einer schlechten Mode huldigend, heute vor