Chapter

Ruth

Abgespannt und unbeweglich saß Formes, der Student in seiner Kammer und starrte mit verglasten Blicken zu Boden. Ein Leben der Eintönigkeit und der Demütigungen, wie er es führte, ein Leben des Nichtsthuns und der Jagd nach schalen Genüssen hat freilich seine Augenblicke der Zerknirschung, in denen man jene guten Vorsätze faßt, welche später zertrümmert und zerschellt sich wiederfinden, gleichwie die Fetzen eines vom Packeis zerrissenen Kahnes. Lange Zeit saß der hagere Student so, dem schmerzlichen Anschauen eines leeren Daseins hingegeben, und der Regen fiel vom Himmel und benetzte die Scheiben und klatschte auf den Pflastersteinen der Gasse mit seltsamer Geschwätzigkeit, und nebenan lärmten die Kinder und eines sang ein Lied und das andere knallte mit einer Peitsche und ein drittes blies in ein Trompetchen, so daß es schrill und durchdringend in alle Ecken des Hauses scholl. Die Bälge verbittern mir auch noch das Leben, dachte Formes und blickte finster in den grauen Himmel hinein. Wie traurig, daß die Mutter auf die Verpflegung fremder Kinder angewiesen ist. Und wie kläglich ist der Gewinn daraus! Meist waren es Bauernkinder aus den umliegenden Ortschaften, die in der Stadt die Schule besuchten und nur am Sonnabend zu ihren Eltern gingen, um den Feiertag zu Hause zuzubringen. Und als die Dämmerung hereinbrach, erhob sich Formes, froh, von seinen Grübeleien abgelenkt zu

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