Chapter

Die Vorläufer

Man bedenke: über 250 Jahre (1224-1480) schmachtete Rußland unter dem Tatarenjoch. Während in Deutschland die Dichtung der Minnesänger in höchster Blüte stand und die ersten Humanisten wirkten, während Italien seinen Dante und England seinen Chaucer hatte, waren alle Russen, Volk und Fürsten, Sklaven wilder Mongolenhorden. Die Tataren ließen die besiegten Russen, wie eine Chronik meldet, sich auf der Erde ausstrecken, legten Bretter auf sie, setzten sich drauf und zechten. Unter diesen Brettern war natürlich nicht nur das geistige, sondern jedes Leben überhaupt erstickt. Daß aber im Russenvolke wundersame geistige Kräfte schlummerten, beweisen die alten Bylinen (Heldengesänge), die sich durch mündliche Überlieferung bis ins 19. Jahrhundert erhalten haben, und die wohl im 13. Jahrhundert entstandene ergreifende Mär von Igors Heerfahrt. Nach der Befreiung vom Tatarenjoche, dessen Nachwirkungen sich bis in die Gegenwart erstrecken, konnte sich das Land lange nicht erholen, zumal es dauernd von inneren Kriegen zwischen den einzelnen Stämmen und Gauen zerrissen und von äußeren Feinden bedrängt wurde. Unter schweren Wehen wurden die russischen Lande unter Moskaus Zepter ›gesammelt‹. Dieser Prozeß der Vereinigung zum ›Russischen Reich‹ fand unter Iwan dem Schrecklichen (1534-1584) seinen Abschluß. Die auf den Tod von Iwans Sohn Fjodor (1598) folgenden Jahre des falschen Demetrius, des

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