Der Preis Der Macht
Die Veränderungen kamen schleichend. Yaras Hände zitterten nicht mehr, wenn sie webte — sie bewegten sich mit einer Sicherheit, die ihr selbst unheimlich war. Die Runen, die sie zeichnete, leuchteten heller, hielten länger und taten Dinge, die in keinem Lehrbuch standen. Ihre Kommilitoninnen begannen, sie mit einer Mischung aus Bewunderung und Unbehagen zu betrachten, und die Meisterin stellte Fragen, die wie Komplimente klangen, aber wie Verhöre gemeint waren.
Dann kam die Nacht, in der die Stadt brannte. Nicht mit echtem Feuer — mit Runenfeuer, blau und hungrig, das aus den Rissen im alten Stadtwall emporloderte und die Schutzzauber fraß wie Motten das Tuch. Jemand hatte die verbotenen Zeichen benutzt, aber nicht mit Yaras Vorsicht, sondern mit der Rücksichtslosigkeit dessen, der die Macht will, ohne ihren Preis zu kennen.
Yara rannte durch die Straßen, während um sie herum das kalte Feuer die Schatten lebendig machte. Sie wusste, was zu tun war — die alten Zeichen konnten das Feuer bändigen, so wie Wasser Wasser löscht, Gleiches mit Gleichem. Aber jede Rune, die sie webte, nahm etwas von ihr — nicht Kraft, nicht Blut, sondern Erinnerungen. Kleine, kostbare Dinge: der Geruch des Brotes ihrer Mutter, das Lachen ihrer Schwester, der Name ihres ersten Freundes. Sie webte trotzdem, weil die Alternative war, alles zu verlieren.