Stadt und Kloster
Es war schon Abend und ringsum herbstlich frühe Dunkelheit, als mich die Eisenbahn über flaches Land der fremden Stadt zutrug. Mit erregter Neugier, die Mühsale und Ermüdungen der vieltägigen Reise in Körper und Geist vergessend, spähte ich ihr entgegen als dem rätselvollen Grund und Boden, auf dem mir neue, ungewohnte Pflichten das Neue, Ungewohnte der Luft, Sprache und Sitten nicht leichter erfaßbar machen würden. Die Aufgabe offenen Sinns zu meistern war mein Vorsatz; darum ließ ich hinter dem dunkel bewaldeten Gebirgskamm der Karpathen nicht nur ohne Reue ein ziellos vertanes Jugendleben zurück, sondern auch mit lächelndem Gruß, den mein Herz spendete, den letzten meinem Ohr verständlichen Laut der mütterlichen Sprache, die dort, versprengt unter fremdem Klang, sich weich erhalten hat. Ich ahnte in neuen Gesichtszügen, neuer Gewandung, die weiß hinter breitgehörnten Ochsen durch die herbstreife Landschaft schimmerte, und neuem Baugesetz, das sich in flachen schilfgedeckten Lehmhütten verkündete, den neuen Beginn eigenen Erlebens, kräftigen Wachstums und die jähe Erweiterung dessen, was mir anzueignen beglückende Möglichkeit war. Von einem mitreisenden Offizier, der sich unaufgefordert als meiner Sprache kundig erwiesen und mich auf die Befestigungswälle aufmerksam gemacht hatte, die in weiten Kreisen die Stadt umzogen und deren baumlose Rundungen das Auge im Dämmer des