Chapter

Ruggiero, der Brigant

Ich hatte mich vollständig verirrt. Den See Pergusa hatte ich gesucht, an dem einst Proserpina von Poseidon geraubt worden war, ohne mehr zu finden, als eine faulige Wasserpfütze, die der Beschreibung aus den Ovidischen Metamorphosen ungefähr so entsprach, wie ein schmutziggrauer Regen- und Schneetag des Nordens einem sizilianischen Maientage ähneln mag. Und dann war ich auf's Geratewohl auf meinem müden Maultier die Straße durch das öde Gebirgsland fortgeritten, um noch vor Abend nach Chiazza zu kommen, wo mir ein guter Imbiß und ein leidliches Ruhelager im Albergo del Sole wohlgethan hätten. Die Richtung meinte ich nicht wohl verfehlen zu können, da mir der wackere Mafo, der es – übrigens mit meiner Zustimmung, denn das Alleinsein war mir gerade recht – vorgezogen, dem Sonnenbrande des langen Weges sich nicht auszusetzen, sondern unseren Rastort auf kürzerem Pfade zu erreichen, die Weisung gegeben hatte, das Maultier nur ruhig gewähren zu lassen, denn da es in Chiazza zu Hause sei, werde es unzweifelhaft seinen Weg dorthin nehmen, und ein Verirren sei unmöglich. Was Wunder, wenn ich dem Tiere, das seiner Gattung zufolge ja sogar »im Nebel seinen Weg sucht«, solchen Naturinstinkt nach der heimischen Krippe in der That zutraute, wenngleich es mir bisher besondere Beweise seines Intellekts noch nicht gerade geliefert hatte. Was aber in das Maultier gefahren sein mochte, weiß ich

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