Meister Meckerling
In der Stadt Landshut in Schlesien lebte ein Schneidermeister, namens Samuel Meckerling. Sein Name war weit über das Weichbild der Stadt hinaus bekannt, denn er galt für einen der geschicktesten Meister weit und breit und es kam nicht selten vor, daß Edelleute, hohe Beamte und Gelehrte in seinem Hause abstiegen und die Anfertigung ihrer Kleider bestellten. Einen Fehler aber besaß der geschäftige Meister. Er pflegte von den kostbaren Stoffen, aus welchen er die Kleider zuschnitt und anfertigte, immer einige Stücken in die „Hölle“ wandern zu lassen, das heißt für sich zu verwerten. Auch kam es wiederholt vor, daß er gröbere Stoffe an Stelle der ihm übergebenen feineren verarbeitete.
Einst hielt ein herrschaftliches Geschirr vor seinem Hause und diesem entstieg ein vornehmer Herr. Meckerling sprang von seinem Schneidertisch, ging vor die Tür und begrüßte mit tiefer Verbeugung den Fremden.
„Was verschafft mir, gnädiger Herr, die Ehre Eures Besuches?“ redete er ihn mit gewandten Worten an.
„Ich wünsche von Euch innerhalb drei Tagen von diesem Tuche einen Rock angefertigt zu haben. Gebt Euch rechte Mühe; er soll mein Staatsrock werden und es wird für Euch kein Schaden sein, wenn das Werk den Meister lobt.“
Meister Meckerling betrachtete mit Wohlgefallen den kostbaren Stoff und machte sich daran, an der Gestalt des Fremden Maß zu nehmen. Da wiegte er seinen Kopf wie bedenklich hin