Fischbach
Unweit des Riesengebirges liegt ein schönes Tal, auf dessen Höhenrändern sich zwei hohe Granitkegel erheben. Das Volk nennt sie Falkenberge und die geschwätzige Sage weiß zu erzählen, daß dort vor alten Zeiten eine Burg stand. Dort hauste einst der gefürchtetste Raubritter des Landes, Herr Wesso, genannt „der Falk vom Berge“. Nichts war vor seinen Falkenaugen verborgen. Wenn die Kaufleute mit ihren Wagen und Waren zu den Märkten zogen oder die Bauern ihr sauer erworbenes Getreide zur nächsten Stadt fuhren, dann machte der Wächter von hoher Warte durch ein Sprachrohr seine Meldung; im Nu waren Roß und Reisige zur Stelle und nun ging’s im sausenden Galopp zu Tal. Schnell vollzog sich die Plünderung der Wagen und beutebeladen kehrten die räuberischen Spießgesellen auf ihre Burg zurück. Die Beute wurde wieder verkauft und von dem Erlöse schmausten und zechten Ritter und Mannen und führten bei Gesang und Würfelspiel ein lustiges Leben.
Eines Abends saß der Ritter wieder beim Gelage. Aber seine Stimmung schien sehr getrübt zu sein. Gesenkten Blickes saß er in seinem Lehnstuhle und achtete nicht auf die Fröhlichkeit seiner zechenden Genossen. Diese spotteten darüber, aber er tat, als höre er sie nicht. Auch den vollen Humpen, den man ihm zum Trinken darreichte, verschmähte er. Als sich wiederum ein höhnendes Gelächter erhob, stand der Ritter auf und ein wilder Blick machte die