Chapter

Der Boese Vogt

# Der böse Vogt Es war einmal ein Ritter, der Frau und Kind plötzlich durch den Tod verlor und darüber so in Trübsinn versank, daß ihm nichts auf der Welt mehr Freude machte. Es ward ihm unheimlich auf seiner Burg; ritt er zur Jagd aus, so schien ihm der Wald zu eng; der Wein mundete ihm nicht und dem Trost seiner Genossen und Freunde verschloß er das Ohr. — Endlich beschloß er, seine Heimat auf lange Jahre zu verlassen, füllte den Säckel mit Goldgülden, befahl dem treuen Knappen, die Rosse zu schirren und übergab die Burg seinem Vogte Lutz. Und nun ritt er weit in das Reich hinein. So lange der Ritter daheim gewesen war, hatten seine Dörfler und Insassen ein glückliches Leben geführt, das ward nun aber bald anders. Vogt Lutz ließ die Ältesten aus den Dörfern, die zur Burg gehörten, herbeirufen, und sagte ihnen, daß sie von nun an doppelt so viel Abgaben bezahlen und statt dreier Tage fünf in der Woche frohnen sollten. Damit wies er ihnen die Tür und hörte ihre Gegenvorstellungen gar nicht einmal an. Nun merkten die Landleute erst, welch ein böser Mensch der Vogt sei, der während der Anwesenheit des Ritters nur immer den Katzenbuckel gezeigt hatte. Als sie daher vors Burgtor kamen, sahen sie sich mit trüben Mienen an, schüttelten sich die Hände und trennten sich mit schwerem Herzen, um die schlimme Kunde den anderen mitzuteilen. Da gab es viele Klagen bei den Weibern, bei den

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