Gruenmantel
# Grünmantel
In dem wüstesten und grauenvollsten Teile des Riesengebirges stand eine kleine Hütte, in der ein armer Köhler, namens Erdmann, mit seinem Sohne Konrad lebte. Konrad war ein hübscher, lebhafter und sehr gutartiger Knabe, dessen liebste Beschäftigung es war, in den Feierstunden — denn er mußte seinem Vater fleißig arbeiten helfen, obgleich er kaum elf Jahre alt war, — durch das Gebirge zu streifen, das am meisten verrufen war, weil man glaubte, daß Rübezahl dort sein Wesen treibe. Aber gerade an diesem Platze spielte er mit seinen Schulkameraden am liebsten, und es vergnügte sie am meisten, mit kleinen Steinen und Blechmarken Anschlag zu werfen.
Seit einiger Zeit fanden die Knaben, wenn sie dies ihr Lieblingsspiel trieben, kleine Silberpfennige im Sande, was jedoch keinem von ihnen befremdlich war, da sie den Wert dieser Münzen nicht kannten und daher nie daran dachten, danach zu suchen. Spielte der Zufall einem oder dem andern einen solchen glänzenden Pfennig zu, so war’s allemal eine laute Freude; doch waren die Kinder noch alle in dem glücklichen Alter, wo Habsucht oder unnütze Grübeleien ihrer Seele fremd waren; und so dachten sie auch nicht weiter über den Zusammenhang nach, als sich zuletzt bei ihren Spielen auch ein fremder Mann einfand, den sie, seiner Kleidung wegen, den Grünmantel nannten. —
Grünmantel schien ein Freund der Kinder zu sein, er teilte ihre