Vorwort
Laubes letzter Roman, der erst nach seinem Tode erschien, ist ein Tendenzroman und behandelt die Judenfrage. Wie sich das ganze »junge Deutschland« mit einer durch die Zeitverhältnisse bedingten Vorliebe des Judentums annahm, so hat auch Laube zu denen gehört, die sich nicht schrecken ließen durch den Wolfgang Menzelschen Unkenruf »das junge Palästina«, womit die ganze jungdeutsche Schriftstellergeneration in Mißgunst gebracht werden sollte, sondern sich mit Bewußtsein von den Vorurteilen der Masse trennten und es nie versäumten, mit Wort und Schrift für ihre Meinung einzustehen. Auf diese Stellungnahme Laubes haben natürlich die Eindrücke gewirkt, die er in seiner Jugend von der jüdischen Bevölkerung seiner schlesischen Heimat erhalten hat. In Sprottau wußte man noch nichts vom Judenhaß; es wohnten auch nur ganz vereinzelte jüdische Familien dort, wie dies schon aus der novellistischen Milieuschilderung seiner Vaterstadt, der historischen Erzählung »Der Schatten Wilhelm«, hervorgeht. Als Laube dann als Gymnasiast in Glogau sich durch Stundengeben und Freitische mühsam durcharbeitete, kam er regelmäßig in die Häuser von Christen und Juden, und die freundliche Aufnahme, die er bei beiden in gleicher Weise fand, verhinderte, daß sich ein Vorurteil in ihm gegen den Israeliten an sich festsetzte. Aus diesen seinen Jugendbekanntschaften werden auch die charakteristischsten Gestalten