Chapter

Auf brennendem Boden

Funkelnd mit leisem Plätschern schaukelten die Wellchen um den Bug des winzigen Passagierdampfers. In einer halben Stunde sollte das fauchende kleine Ungetüm abfahren. In seiner protzigen heisern Stimme, die so wenig im Einklang zu seinem stolzen Namen „Bojarina“ stand, verkündete es prustend und zitternd seine ernstgemeinte Absicht, die kurländische Hauptstadt Mitau zu verlassen. Eine kühle Septembersonne schien aus halbbewölktem Himmel über das Prunkstück des Städtchens, das rosenrot getünchte, ehemalig herzogliche Schloß, blitzte nachdenklich um den hochaufragenden Trinitatiskirchturm, streifte die welken Kastanienblätter des Schloßparks und verlor sich zitternd in den kleinen unruhig hüpfenden Wellchen des Aaflusses. Am Landungsplatz tummelten sich geschäftig lettische Gepäckträger, schrien und zeterten ein paar Gemüsehändlerinnen auf einen jüdischen zerlumpten Burschen ein, der ihnen die halbwegs geleerten Marktkörbe über den wackelnden Dampfersteg getragen hatte und nun mit trotzig aufgeworfener Oberlippe auf fünf Kopeken mehr Trägerlohn bestand. Ein paar jugendliche Lungerer standen, die Hände in den Hosentaschen, grinsend daneben. Aus der Rocktasche des einen lugte verräterisch ein Flaschenhals. Jetzt stießen sie einander an. „Ein richtiger deutscher Kungs!“ sagte der eine halblaut. „Wohl so’n Baron. Sieh, was der für’n feinen Koffer hat! Oder ist’s der hinkende Teufel

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