Buch I
Wir sind überzeugt, daß der sternlöschende Engel der Morgenröthe, als er vor mehr als viertehalbhundert Jahren, im Hochfrühling des Jahres 1492, aus langsamen, weiten Schwingen vom Morgenland zu den Säulen des Herkules, und von den Höhen des Kaukasus über alle schneeigen Alpenrücken zur dunklen Kahlheit der westlichen Inseln dahinschwebte, dieselben Umrisse von festem Land und unbeständiger See, dieselben großen Bergesschatten über den nämlichen Thälern erblickte, wie er sie heute sieht, – daß er Olivenhügel, Fichtenwaldungen und die weiten, von jungem Korn oder regenerfrischtem Grase grünen Ebenen, daß er die Dome und Thürme von Städten, die sich am Flußufer erhoben, oder zwischen schilfähnlichen Masten an der vielbuchtigen Seeküste verstreut waren, an demselben Fleck sah, wo sie sich noch heute erheben. Und als das matte Licht seines Fluges in die Wohnungen der Menschen drang, so fiel es, wie noch jetzt, auf die rosige Wärme neugeborener Kinder, auf die verstörte Schlaflosigkeit von Kummer und Krankheit, auf das frühe Aufstehen des rauhhändigen Arbeiters, und auf den späten Schlummer des nächtlich Studirenden, welcher die Sterne, oder die Weisen, oder seine eigene Seele um jene geheime Wissenschaft befragte, welche die Schranken des kurzen Menschenlebens durchbricht, und zeigt, daß sein dunkler Pfad, der in's Wesenlose zu führen scheint, nur der Bogen in einem unermeßlichen