Erstes Kapitel
Nun reisen wir schon auf böhmischem Boden, Silvana«, sagte der Kapellmeister. »Wir sind in dem alten Irrwischland, darin es seit undenklichen Zeiten von unruhigen Köpfen wimmelt und von Aufruhr und Ketzerzank raucht. Falte deine samtenen Hände und lass uns beten, dass es uns in Prag gut ergehe! Ach, fände ich doch dort wohlwollende Menschen! Kunst braucht Gunst. Und würde ich doch dort meine Schulden los! Doch dreimal zum Teufel!« unterbrach er sich polternd. »Ist die wunderbare Welt da, dass darin der Mensch sich bewinsle und beseufze?! Halloh, Schwager, lass Er die Pferde rasten! Wir wollen uns einmal in aller Ruhe diese großartige Opernbühne Gottes betrachten!« Der träumerische Mann am Bock gehorchte, und sogleich hielt der geräumige, kürbisgelbe und mit Gepäck reichlich beladene Reisewagen. Er hielt neben einer nackten, vom Blitz geschälten Tanne. Hier bot die hochgelegene Straße einen freien, weithin reichenden Blick über das Grenzgebirge. Blauer Meilerrauch ragte still und biblisch urhaft über dem dunkeln, endlosen Grün der Wipfel. Eine einsame Axt bellte. Verborgene Vögel sangen, brünstig scholl der Kuckucksruf. Die Bäume dufteten würzig, und von einer wilden Waldalm herauf wehten die Gerüche holder Kräuter. Abendblaue, sanfte und ernste Berge schlossen die Ferne ab. »Wie ahnungsvoll ruht die Landschaft!« sagte der Kapellmeister nachdenklich. »Horch, Silvana, wandelt sie