Chapter

Erstes Buch

Die Blume spricht: »Es trieb mein Samenflaum im Winde zweifelnd hin durch Wiesenblühen, verweilte, riß sich los. Ein Regensprühen schlug ihn zu Boden hier am Waldessaum. Da keimte ich und trank im Werdetraum die herbe Frische keuscher Tagesfrühen und tiefer Abende versunknes Glühen und blauer Nächte kühlen Mondesschaum. Und bildete empfangner Schönheit Fülle wachsend in Stiel und Blatt und Knospenhülle auf meine Weise der Vollendung zu. Doch des Erlebens tiefste Wunder spiegelt und haucht der Feuerkelch, den ich entsiegelt, und sein Geheimnis, Sonne, weißt nur Du.« Es war einmal ein reicher Fürst, der hatte einen einzigen Sohn, auf dem die ganze Hoffnung seines Hauses ruhte. Roland hieß der Knabe, und er war von einer so wunderbaren Schönheit, daß man hätte glauben mögen, er sei Göttern entsprossen. Er hatte große, träumende Augen, mild und strahlend wie Sterne, eine Fülle brauner Krauslocken umgab weich und glänzend wie Seide sein blütenhaftes Antlitz, seine Gestalt war schlank und biegsam wie eine junge Erle, sein Tritt war Musik. Sonnenstrahlen schienen vor ihm herzuwandeln, wo er ging, und duftende Lilien zu sprossen, wo er gegangen war. Eine solche Unschuld, Fröhlichkeit und Herzensgüte atmete sein liebliches Wesen, daß ihn lieb haben mußte, wer ihn nur sah, und schon in zartem Alter wußte er sich so gewandt und edel zu bewegen, daß sich hoch und niedrig gerne verehrend

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