Widmung
Niemand, liebe Schwester, kann besser wissen, als ich, wie abhold Dein gerader und bescheidener Sinn jeder öffentlichen Demonstration eines herzlichen Verhältnisses ist. Wenn ich Dir nichtsdestoweniger, indem ich Dir dieses Buch widme, vor den Leuten ein Zeichen meiner Liebe gebe, so ist das eine Art von Revanche dafür, daß Du mir in einem Deiner Briefe »im Namen der Frauen« vorgeworfen hat: ich verweile in meinen Romanen mit einer gewissen Vorliebe bei den unliebsamen und oft unliebsamsten Seiten des weiblichen Wesens, ja ich erwecke manchmal den Verdacht, als könne ich mir eine bedeutendere Frau von ungetrübter Reinheit des Charakters und der Sitten gar nicht denken. – Nun erwiderte ich freilich darauf, daß meine Liebe zu Dir der beste Beweis vom Gegentheil sei; ich führte auch das Wort an, welches Goethe, ich glaube, von Eduard in den Wahlverwandtschaften sagte: ich liebe dergleichen Charaktere auch nicht, aber ich brauche sie eben; – vergebens! Du schütteltest noch immer Dein liebes, kluges Haupt, und schriebst mir, daß Du für Dein Theil nie an mir gezweifelt habest, daß Du aber im Interesse der zärtlichen Gewissen, für die Du plaidirtest, mit meiner Vertheidigung nicht zufrieden sein könnest, daß ich der Welt (nämlich dem mikroskopischen Fragment derselben, die mich lese) für die vielen gebrochenen und gemischten weiblichen Charaktere eine »schöne Seele in unserm Sinn«,