Vorwort
Lexikon der Gauner- Dirnen und Landstreichersprache »Harmonie« Verlagsgesellschaft für Literatur und Kunst Berlin W. 35. Wir alle hören und sprechen fast jeden Tag Worte, die wir nicht in der Schule gelernt haben und die wir in keinem schöngeistigen Werk und auch nicht in den Zeitungen und Zeitschriften oder den üblichen Lexika finden. Fast jeder Beruf hat seinen eigenen kleinen Wortschatz. Fast jede Bevölkerung hat ihre eigene, mehr oder weniger amüsante oder ernste Ausdrucksweise. Und von Landschaft zu Landschaft wechselt der Klang und der Rhythmus der Sprache. Jede Provinz, ja fast jede Stadt hat ihren Dialekt. Während aber viele Berufe nur wenig bestimmte technische Ausdrücke haben – wie die Buchhändler die »Krebse« und die Goldschmiede das »Gekrätz« – haben wir Menschen neben uns, die fast eine vollkommen andere Sprache sprechen: die Gauner, die Verbrecher, die Landstreicher, Kunden oder Tippelbrüder, wie sie sich selbst nennen, und die Dirnen, die ja in ziemlich enge Fühlung mit dem Verbrechertum stehen. Als ich noch in der Goldschmiedewerkstatt saß, hörte ich von den Gesellen, die auf der Wanderschaft gewesen, schon so manches sonderbare Wort. Als ich aber nun selbst als reisender Handwerksbursche die Landstraßen maß, in Herbergen nächtigte und in Pennen einkehrte, als mich der Spitzkopp flebbte und ich durch manches Kaff tippelte, manche Winde stieß, die Leute ärgerte