Erster Teil
Eines Tages ging an Christian Heinsberg, Schulmeister im deutschen Dorfe Bellmann auf dem hohen europäischen Ufer der Wolga, der große Wunsch in Erfüllung, den fast ein jeder draußen in der Welt geborene Kolonist, wes Stammes, Standes und Volkes er sei, im tiefsten Herzen trägt; einmal das Vaterland zu sehen, das Ausgangsland, das Heimatland … Christian Heinsberg schlenderte an einem Frühlingstage durch Petersburg, schlenderte sozusagen ungeduldig, wenn das möglich ist. Erregt schienen seine großen grauen Augen die Entgegenkommenden auf dem Newskiprospekt, Herren, Männer, Damen, Dämchen, Gymnasiasten und Beamte in Uniform, Gardeoffiziere und noch im sibirischen Edelpelz gehende Adlige zu fragen: Seht ihr mir auch an, daß ich nach Deutschland reise? Jawohl, nach Deutschland? Sie sahen nichts dem in Kniestiefeln und Tellermütze gehenden, im ganzen etwas altmodisch, bäurisch-drall gekleideten Manne aus der Provinz, offenbar einem Menschen aus ihren russischen Fremdvölkern, an. Sie hatten keine Zeit. Niemand in den großen Städten der Welt hat Zeit. Die Zeit ist überall auf das Land gegangen. Das deutsche Schiff, die »Brunhild« von Stettin, lag am Nikolaikai fest. Christian war sofort vom Nikolaibahnhof, an dem man von Osten her ankam, hinter dem wattierten Rücken eines pelzbehaubten Droschkenkutschers den Newskiprospekt hinunter und über die Nikolaibrücke, die unterste nach dem