Erstes Kapitel
Von 1708 auf neun war der kalte Winter, der kälteste des Jahrhunderts. Tausend Menschen gingen elend zu Grunde, die Vögel fielen tot aus der Luft, das Wild erfror im Walde, durch lange Wochen konnte man bei Mainz mit vierspännigen Frachtwagen über den Rhein fahren. Dann brachte plötzliches Tauwetter den verwüstenden Eisgang, ein voreiliger Frühling lockte die Knospen und Blätter aus den Bäumen, allein der laue Südwest wurde im Mai wieder durch eisigen Nordsturm zurückgeschlagen, das grünende Laubholz erfror, und noch im Juni und Juli sah man auf weite Strecken den Buchenwald braun mit verdorrten Blättern, zwischen denen sich kümmerlich die neuen Keime hervordrängten. Armut und Elend herrschten überall in Deutschland und Frankreich. Dennoch waren viele Leute dieses Jammers im stillen froh; denn sie dachten, wenn Gott die Menschen so schwer züchtige, dann würden sie wenigstens für dieses Jahr Vernunft annehmen und nicht fortfahren, sich freventlich untereinander totzuschlagen, die kargen Saaten zu zertreten und Dörfer und Städte niederzubrennen. Man hoffte, die Not werde Frieden gebieten, nach welchem vorab die deutschen Reichslande seufzten. So dachten die Bauern, aber die Könige dachten nicht so. Ludwig XIV. konnte die Niederlagen nicht verschmerzen, welche ihm Eugen und Marlborough in den letzten Jahren beigebracht, und die Friedensbedingungen seiner verbündeten Gegner trieben