Chapter

Erstes Kapitel

In jenen ersten unruhigen Monaten nach dem Zusammenbruch konnte man fast jede Nacht Schüsse hören, die draußen auf den Feldern fielen. Die Grundbesitzer verteidigten ihr Eigentum gegen Gesindel, das die republikanische Freiheit so verstand, als sei nun die Kriegsgewohnheit des Plünderns eine staatsgrundgesetzlich gewährleistete Einrichtung geworden. In dieser aus den Fugen geratenen Welt lief allerlei übles Volk herum, das zu Zeiten der Ordnung behutsam im Dunkeln geblieben war, und berief sich auf neue Lehren, laut denen jedes Gelüste nach fremdem Eigentum aus höheren Gesichtspunkten heraus gerechtfertigt war. Vom Haus des Doktors Franz Schittelhelm aus, das am äußeren Umkreis des Ortes stand, konnte man diese nächtlichen Auseinandersetzungen über das Wesen des Eigentums sehr deutlich hören. Manchmal steigerte sich das Knallen zu einem regelrechten Feuergefecht. Es befand sich nämlich auch ein Militärmagazin in der Nähe, das, noch vom Krieg her mit Vorräten aller Art angefüllt, eine besondere Anziehung für die Bekenner jener neuen Lehren hatte. Die Wache, die darin lag, verteidigte es nach Kräften, weniger des Staates und der öffentlichen Ordnung wegen, als weil sie selbst im Stehlen nicht beeinträchtigt werden wollte. Eines Morgens kam der Doktor von seiner ersten Krankenrunde mit der Nachricht heim, daß beim Nachbarn Kerschbaum eingebrochen worden war. Man hatte das Schwein,

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