Chapter

Baiern.

Ich saß stumm im Postwagen, eine verschleierte Dame lehnte still in der andern Ecke, der Starost mit noch einem Passagier saß draußen im Kabriolet. Es war stumm und still in mir; das leere bunte Leben ohne Halt und Ziel, das frivole Spiel mit Liebe und Liebesdingen, all' das flüchtige Reisegenießen, wobei die Seele hie und da gestreichelt, wobei ihr innerster Kern niemals betheiligt wird, ging wackelnd und kopfschüttelnd gleich putzigen Karnevalsfiguren an meinem halboffnen Auge vorüber. Vielleicht war Baiern daran Schuld, Baiern macht heutiges Tags viel zu denken, trotz dem, daß in Baiern nach wie vor so unglaublich viel Bier getrunken wird, vielleicht auch namentlich darum, daß doch noch immer so unglaublich viel Bier getrunken wird. Grüne Gefilde rannten am schnell rollenden Wagen vorüber, und die bairische Grenze ist nicht zu 6 verkennen: es beginnen die Hopfenstangen, die süße Symbolik des schönen bittern Bieres, und die Hopfenstangen verlassen Einen nicht, sie rennen wie Gespenster mit fliegendem Haar neben dem Wagen her bis hinab an die Salzburgische Grenze. Nur drüben auf der Westseite sollen sie hie und da durch Reben abgelös't werden. Sie sind die stehende Poesie und ein süßer Augentrost des Baiers. Es war ein gar trüber, melancholischer Tag, graue Wolkennebel lagen auf den niedrigen böhmischen Grenzbergen, überall auf dem grünen Rasen perlten die feinen

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