Chapter

Einleitung

Es gibt harte Köpfe, welche nicht begreifen können: »daß äußerliche Formen der Tugend nicht die Tugend selbst sind; daß gewisse lächerliche Gebräuche, womit bei gewissen Völkern, z. B. bei den Hottentotten und Kamtschadalen, gewisse ehrwürdige Handlungen begleitet werden, diesen Handlungen nicht das Geringste von ihrer innerlichen Würdigkeit benehmen; und daß (unparteiisch von der Sache zu reden) ein nacktes Mädchen in Californien, trotz ihrer Nacktheit, wenigstens so züchtig seyn kann, als die ehrsame Dame Quintagnone, Oberhofmeisterin der Königin Genievre (für welche wir übrigens alle gebührende Ehrfurcht tragen), in ihrem großen Kragen und in ihrer wohl ausgesteiften sehr decenten und sehr barockischen Vertugade. Einer von diesen Leuten – doch, was hindert uns, gewissen spitzfindigen Forschern eine Mühe zu ersparen und es gerade heraus zu sagen, daß es ein alter ägyptischer Priester, aus den Zeiten des Königs Psammuthis des Dritten, war? – kam, wir wissen nicht wie, noch warum, in ein Land im innern Africa, wo er eine kleine Völkerschaft von fingernackten Leuten unschuldig und zufrieden unter ihren Palmbäumen wohnen fand. Zum Unglück für dieß gute Völkchen war dieser Reisende – den unsere Nachrichten Abulfauaris nennen – kein jeden Priester Ehre macht, ein gewisses natürliches Gefühl, welches ihn wahrnehmen ließ, daß diese nackten Leute sehr unschuldige Sitten hatten. Er

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