Chapter

Die Pest zu Marseille

Die Abendsonne flimmerte heiter durch die grünen Vorhänge des gothisch-gewölbten Fensters, und auf den Steinplatten des Fußbodens wie auf der blanken Schiefertafel des mächtigen Tisches spiegelte sich der bunte Schimmer der Wappen, die den Fensterbogen schmückten. Friedliche Ruhe, eine wahre Sabbatfeier herrschte im Gemach und bekrönte die Stirne der Bewohnerin desselben. Die Mutter und das Kind leuchteten von freundlicher Verklärung. Die kleine Rosa war die Königin des stillen Festes, und die Mutter, selbst noch jung und reizend wie eine Maiblume, bediente, wie ein demüthiges Hoffräulein, die geliebte Tochter. Eine niedliche Mahlzeit, bestehend aus allen Leckereien, die in der Levante erzeugt werden, stand auf dem Tische: Feigen, Trauben aus Chios, köstliche Zuckerwaaren von Damask, eingemachte Früchte aus Griechenland, und daneben der einheimische frische Honig, das lockende weiße Brod, dessen Anblick schon die Gaumenlust reizt und verführt. Zwischen diesen Herrlichkeiten lagen Blumen zerstreut, woran sich das Auge der kleinen Rosa ergötzte, während ihr Ohr entzückt und befriedigt den Schmeichelworten lauschte, die in süßem Geflüster von den Lippen der Mutter strömten. – Die alte Margarethe, da sie in die Thüre trat und das holde Schauspiel gewahrte, fühlte sich davon ergriffen, war gleich Empfindsamkeit nicht ihre Sache, und betrachtete einige Minuten schweigend Mutter und

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