Chapter

Graf Kerqhanu in Neapel

Der edle Graf Kerqhanu stieg vom schäumenden Pferde. Sein treuer La Brie kam ihm mit verstörtem Gesicht entgegen. »Kerl, ist's wahr?« fragte der Herr des Schlosses. »Der Procurator war da? Haussuchung in meinem Schlosse?« Und der Diener bückte sich tief, rang die Hände in wehmüthiger Zerknirschung und versetzte: »Bei unserer lieben Frau von Roannes, so ist's! Der königliche Procurator, der Hauptmann der Gensdarmerie, der Instructionsrichter …« – »Was ist das für ein Mensch? Was hat die Instruction in meinem Hause zu thun? Wonach haben die Häscher gesucht?« – »Nach Ihren Papieren, Herr Graf, nach Ihren Briefen, Ihrer Correspondenz.« – »Unnöthiges Bemühen! Ich führe keine Correspondenz, ich habe keine Papiere, als die, deren Cours durch die vermaledeite Revolution heruntergedrückt worden ist.« – »Das hab' ich auch gesagt. Sie haben in diesem Jahr Ihren Namen nur dreimal unterschrieben. Seit die Katze vor vier Monaten das Schreibzeug umwarf, haben wir keinen Tropfen Tinte im Hause.« – »Die Pest auf die Katze! Schade um das hübsche Tintenfaß. Mein Großvater hatte es zuletzt gefüllt. Was wollten aber die Hunde?« – »Die Herren öffneten Alles mit Gewalt, sprachen von Verschwörungen, schimpften über die Carlisten, fanden nichts, und zogen ab.« – »Und zogen ab. Das ist die Hauptsache. La Brie, es wird immer schlechter in Frankreich. Der ruhigste Edelmann wird gehudelt. Ich saß so ruhig

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