Chapter

Recht und Liebe

Im Walde vor dem Forsthause saß ein städtisch elegant gekleideter Mann mit schönen, geistig belebten und wie von Gedankenarbeit verfeinerten Zügen. Auf der Bank, welche zwischen den Linden vor dem Forsthause stand, zurückgelehnt, sah er nachdenklichen Blicks in den Wald hinein, der eigenthümlich still war. Es war die Zeit, in welcher der Sommer in den Herbst übergeht, das Vogelvolk seine kleinen Familienpflichten erfüllt und die dabei entwickelte Aufregung ein Ende genommen hat. Kein Vogel sang im Walde; kein Ruf schallte heraus. Selbst die Schwalben zwitscherten nicht, die in schwindelerregender Rastlosigkeit auf dem freien Anger vor dem Hause hin- und herschossen. „Welch ein seltsames Thier solch eine Schwalbe ist!“ sagte der junge Mann, als ein älterer, eine hochgewachsene stattliche Gestalt mit ergrauendem Vollbart und in der Jägerjoppe, aus dem Hause auf die Schwelle trat, – „welch seltsames Thier, das auf allen Idealismus des glücklichen Vogeldaseins verzichtet! Die neidenswerthe Zaubergabe der Flugkraft, welche von den anderen Vögeln zu freiem und ungebundenem Schwunge ausgebeutet wird, dient diesen gehetzten Geschöpfen nur zum rastlosen, unausgesetzten, nervös machenden Hin- und Herschießen von der ersten Morgenstunde bis zum Abend, von ihrem ersten Ausfliegen aus dem Nest bis zu ihrem Tode. Der Flug ist für sie ein Fluch geworden, der sie peitscht.“ „Nun ja,“ sagte der

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