Vorwort
Rennewart war ein Mann, der Ende des neunzehnten Jahrhunderts und noch zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine gewichtige Rolle an allen europäischen Fürstenhöfen spielte - man könnte ihn eine europäische Geheimgröße nennen. Rennewart wurde jahrelang von Hof zu Hof gesandt, von Staatsmann zu Staatsmann, und er hielt das intime Netz der Privatverbindungen höchster Kreise in seiner Hand. Bismarck nennt ihn unter verschiedenen Namen in seinen Memoiren. Mir wurde er zufällig unter dem Pseudonym " Rennewart" bekannt. Kein schriftstellernder Europäer war in die damaligen europäischen Zustände so eingeweiht wie Rennewart, keinem seiner schreibenden Zeitgenossen wurde Europa durch sein Schicksal so von allen Seiten beleuchtet wie ihm. "Man kann nicht bloß hellsehend, sondern auch hellhörend sein", sagte er, als er in Mexiko weilte und zum erstenmal vom Kontinent Europa durch ein Weltmeer getrennt war und sich dort in eine Mexikanerin verliebte, deren Stimme er reden hörte, auch wenn sie schwieg und ihn küßte. In Mexiko und in der Liebe zu dieser Ausländerin, zu einer Fremden aus einer fremden Rasse und einem fremden Erdteil, entdeckte Rennewart zum erstenmal den Europäer in sich, und er gewann jenseits des Atlant, getrennt von "Mutter Europa", zum erstenmal einen Überblick über den alten Heimatkontinent. "Raubmenschen", dieser erster seiner Romane handelt von der Zuneigung und