Das Haus in Soraka
Ramary und Kétaka Exotische Novellen Deutsch von Maria Ewers-aus'm Weerth München und Leipzig bei Georg Müller 1913 Das Haus, das der Doktor Andrianivoune den Fremden vermietete, befand sich in Soraka in der Vorstadt Tananarivos, die oberhalb des Sees Anosy gelegen ist. Dieses Haus war vordem von einem französischen Pärchen bewohnt gewesen, das zweifellos seine Flitterwochen darin verlebt hatte. Zwei elegant mit zartrosa Stoffen ausgestattete Räume gaben Kunde von dem auserlesenen Geschmack einer jungen Europäerin, deren Augen und Hände sich darin gefallen hatten, selbst eine Wohnung auszuschmücken, die ihr nur zu kurzem, vorübergehendem Aufenthalt diente. Der Garten befand sich in ziemlich vernachlässigtem Zustande; die Moosrosenbäumchen verwilderten darin; die Kaffeeanpflanzungen, die man nicht mehr gepflegt und beschnitten hatte, trugen keine Früchte mehr, aber der japanische Flieder wuchs und gedieh prachtvoll und war beinahe so hoch wie die Ulmen unsrer Gegenden. Die Pfirsichbäume waren zu einem Gestrüpp verwachsen, das im Wind gegen die alten Mauern des Gartens schlug. Unterhalb des Hauses lag der kleine See, den einst der König Radame schuf, zu jener Zeit, da er den Berg Gottes, den unfruchtbaren Ambohid-Zanahare, von der Erde verschwinden lassen wollte, weil er seinen despotischen Augen mißfiel. Die fast runde Wasserfläche lag still und friedlich da und glitzerte leise