Erster Teil
Räuber und Soldaten Roman frei nach dem Chinesischen Zu Shantong, im Distrikt Tsian des Bezirks Tsang-Kiu, lebte ein verheirateter Magister namens Jao. Sein Weib hieß Fang. Er stammte aus alter Gelehrtenfamilie – schon bei seiner Geburt also war sein Magen voll von Tusche und Schreibpinseln. Seine Eltern starben jung; er hatte keine Geschwister mehr. Im übrigen sprach man nie von ihm, ohne daß es hieß: Ja, der Magister Jao hat umfassende literarische Fähigkeiten, Kenntnisse mancherlei Art. Er ist im Staatsverfassungswesen gründlich bewandert; er besitzt einen vorzüglichen, edlen Charakter; er ist treu, aufrichtig und ehrlich; kurz, ein trefflicher Mann. Von geradezu altertümlicher Geradheit erfüllt, schmeichelt er niemandem. So kam es aber auch, daß er sich während seines langen Lebens nur wenige Freunde und Helfer gewann. Er lebte dahin in äußerster Armut. Las und schrieb, obwohl er kaum das Papier sehen konnte, denn seine Augen waren blind vom vielen Weinen und sein Reis mit Tränen gesalzen. Ging er zu einem seiner Nachbarn, Geld borgen – taten sie, als ob sie ihn nicht sähen. Niemand empfand Mitleid mit seiner Lage, niemand half ihm. Im Laufe der Zeit erhielt der Magister Jao von seiner einzigen Frau zwei seiner Ansicht nach ungeratene Söhne: Wu Ta und Wu Sung. Diese merkten früh, daß ihr Vater von den Sternen und Wissenschaften weder reichlich noch überhaupt leben konnte,