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Einleitung

Wilhelm Raabes Leben ist äußerlich so einfach verlaufen wie das weniger deutscher Dichter; es bietet weder überraschende Höhepunkte noch einen jähen Tiefsturz. Als eine schlichte Gestalt ist er, ohne persönliches Aufsehn zu erregen, von der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bis in das erste Jahrzehnt des zwanzigsten geschritten, die letzten vierzig Jahre ohne den Umkreis seiner engeren Heimat mehr als nur gelegentlich zu verlassen. Dennoch ist sein Leben nicht ohne innere Kämpfe bis zum endgültigen Durchbruch des gewissen Berufs verlaufen, und überdies hat auch Raabe, wie Goethe, Schiller, Hebbel, seinen Prozeß mit dem deutschen Volke führen müssen. Das deutsche Volk hat ihn in allen Instanzen verloren; es gewann dabei freilich Unermeßliches, einen Dichter, der lange Zeit scheinbar ganz am Rande des deutschen Lebens stand und erst in späten Jahren auch äußerlich für die besten in den Mittelpunkt rückte; in Wahrheit war Raabe innerlich diesem Mittelpunkte immer ganz nahe. Geboren ein Jahr vor Goethes Tode, gestorben vier Jahre vor Ausbruch der Weltrevolution, hat er als Jüngling das Jahr 1848, als Mann die Gründung des Nationalvereins und das Erstehen des Bismarckischen Reichs, beim Eintritt ins Greisenalter Bismarcks Abgang und was danach kam – alles das als eigensten Besitz – erlebt. Die Erinnerungen der Menschen, die über seiner Kindheit wachten, reichten über die

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