Erstes Kapitel
Getrennt von der Dame Isabelle, deren Blick so manchen Tag sein Leitstern gewesen war, fühlte Quentin eine seltsame Leere und Kälte im Herzen, die er bisher noch nicht erfahren hatte, trotz all' der Wechselfälle, denen sein Leben schon unterworfen gewesen. Ohne Zweifel war das Aufhören des vertrauten und unvermeidlichen Verkehrs zwischen ihnen die nothwendige Folge, da die Gräfin nun an einem festen Aufenthaltsorte angekommen war. Denn unter welchem Vorwande konnte sie, wenn sie auch wirklich an solch' eine Unschicklichkeit gedacht hätte, einen jungen stattlichen Knappen, wie Quentin, stets in ihrer Begleitung haben? Aber der Schmerz der Trennung ward dadurch, daß sie unvermeidlich war, nicht willkommener, und das stolze Herz Quentins schwoll bei dem Gedanken, daß er entlassen war, wie ein gemeiner Postillon oder wie eine Schutzwache, deren Pflicht nun erfüllt ist. Dabei ließ er im Stillen doch einige Thränen über die Trümmer all' jener Luftschlösser fallen, deren er so viel während der allzu interessanten Reise aufgebaut hatte. Er machte eine männliche, wiewohl Anfangs vergebliche Anstrengung, sich dieser Niedergeschlagenheit zu erledigen; und indem er so den Gefühlen, die er nicht unterdrücken konnte, nachhing, setzte er sich in eine der Fenstervertiefungen der großen gothischen Halle von Schönwald und sann dort seinem harten Geschick nach, welches ihm nicht Rang und